Eine Einführung in die Struktur der irischen Musik
„Wir können uns glücklich schätzen, dass wir im Besitz eines außergewöhnlichen Erbes an nationaler Tanzmusik sind, das von Single Jigs und Reels über Double Jigs und Slip Jigs bis zu Hornpipes und Set Dances reicht – Melodien, die so voll von rhythmischer Vitalität sind, dass Zuhörer gar nicht anders können, als mit dem Fuß im Takt zu wippen.“
Cormac Mac Fionnlaoic, Um Caisg, 1939
Zweifellos würden die Schritte der irischen Tänze auch zu vielen anderen Volksmusikarten passen. Allerdings liegt einer der Reize, die das Erlernen des irischen Tanzes so attraktiv machen, in der Möglichkeit, zu den einzigartigen Rhythmen der irischen Musik zu tanzen. Die irische Musik hat sich in einem Zeitraum entwickelt, in dem alle Erscheinungsformen der irischen Kultur unterdrückt wurden. Aus diesem Grund war es üblich, die Melodien nicht zu notieren, sondern von Musiker zu Musiker durch Zuhören und Wiederholen weiterzugeben. Hier soll kurz auf die Struktur der irischen Musik eingegangen werden, ein Grundwissen, das für einen Tanzschüler durchaus von Nutzen sein kann. Doch keine Angst: Perfekte Kenntnis der Notenschrift ist keine Voraussetzung, um Spaß am irischen Tanz zu haben. Lassen Sie sich also von den Ausführungen unten nicht abschrecken! Es ist viel wichtiger, die oben von Cormac Mac Fionnlaoic erwähnte „rhythmische Vitalität“ zu besitzen.
Die irische Musik setzt sich aus Abschnitten von jeweils acht Takten zusammen. Eine Melodie besteht aus mehreren solchen Abschnitten, die voll durchgespielt werden müssen, wobei die ersten acht Takte meist als Einleitung dienen. Die folgenden Abschnitte aus jeweils acht Takten werden meistens einmal wiederholt (sodass Musiker die Melodie lernen und dann einsteigen können). Die Melodien für Solo- und Ceili-Tänze gliedern sich in Jigs, Reels und Hornpipes, je nachdem, wie viele Noten ein Takt umfasst.
Reels
Obwohl der Reel anerkanntermaßen seinen Ursprung in Schottland hat, ist er die beliebteste Melodie in der irischen Musik. Er ist im 8/8-Takt (d. h. acht Noten pro Takt) oder im üblicheren 4/4-Takt notiert. Jeder Takt weist acht Achtelnoten in Vierergruppen auf, mit Betonung auf der ersten und fünften Achtelnote. Aufgrund der zwei Betonungen pro Takt ergeben sich vier Zählzeiten (oft als 1 – 2 – 3 und 2 –2 –3 und 3 –2 –3 und 4 – 2 –3 ausgedrückt), wobei der Akzent auf dem Schlag in Fettschrift, also dem ersten und fünften Achtel, liegt und das „und“ für den zweiten gewichtslosen Schritt steht, der von fortgeschrittenen Tänzern als Treble getanzt werden kann.
Beispiele für Reels sind Rakes of Mallow und Cooley’s Reel.
Jigs
Jigs werden im 6/8-Takt gespielt, mit zwei Betonungen pro Takt. Die Noten werden in zwei Dreiergruppen dargestellt (als 1 – 2 – 3, 2 – 2 – 3, 3 – 2 – 3, 4 – 2 – 3 ausgedrückt, wobei die Kommas für den gewichtslosen Schritt stehen). Beim Double Jig bestehen die Dreiergruppen aus Achtelnoten, wobei die Betonung jeweils auf dem ersten Achtel in jeder Dreiergruppe liegt. Da das gesamte Körpergewicht bei diesen Schlägen auf die Füße verlagert wird, können die anderen Schritte beim Off-Beat von einem fortgeschrittenen Tänzer als Treble getanzt werden, eine Rollbewegung des Fußes, die das typische Schlaggeräusch des Hard Shoe-Tanzes erzeugt. Da diese als Treble Jig bekannten Melodien komplizierter sind, werden sie in der Regel etwas langsamer als Double Jigs gespielt. Single Jigs sind ebenfalls im 6/8-Takt notiert, wobei die Dreiergruppen meist aus einer Viertelnote gefolgt von einer Achtelnote bestehen. Diese Melodien eignen sich für Soft Shoe-Tänze mit Soloschritten. Eine Variation des grundlegenden Jigs im 6/8-Takt ist der Slip Jig, der im 9/8-Takt gespielt wird, wobei die Betonung auf dem ersten, dritten und siebten Achtel liegt. Diese Melodien werden in der Regel langsamer als normale Jigs gespielt.
Als Herkunftsland des Jigs gilt gemeinhin Irland, obwohl es aus Italien Aufzeichnungen von mittelalterlichen Tänzen mit ähnlichem Takt gibt. Man sagt, dass die englische Königin Elisabeth I. sehr vom irischen Jig angetan war – eine Ironie, da ihre Soldaten in Irland zur gleichen Zeit alle Erscheinungsformen der irischen Kultur unterdrückt haben.
Beispiele für Jigs sind Shandon Bells und Coopers and Brass.
Hornpipes
Der Hornpipe ist wie der Reel im 4/4-Takt notiert, wird aber sehr viel langsamer als der Reel gespielt. Der Hornpipe bietet irischen Musikern daher sehr viel mehr Möglichkeiten für Ausschmückungen. Diese ermöglichen wiederum fortgeschrittenen Tänzern, pro Achtelnote einen Schritt zu tanzen, wodurch sich Hornpipes für kompliziertere Hard Shoe-Tänze anbieten.
Beispiele für Hornpipes sind Greencastle Hornpipe und Murphy’s Hornpipe.